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LRS – Ratgeber


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LRS/Legasthenie-Erlasse

Noch vor einigen Jahren existierte für viele Lehrer Legasthenie nicht. Inzwischen haben die Kultusministerien erkannt, dass nicht alle Kinder gleich sind, sondern dass ein paar Prozent der Schulkinder wirklich spezifische Probleme beim Erwerb der Schriftsprache haben, obwohl sie weder dumm noch faul sind.

Dies schlägt sich in den Legasthenie-Erlassen nieder. Weil Bildung in Deutschland eine Sache der Bundesländer ist, unterscheiden sich die Regelungen von Land zu Land.

Grundprinzip: Die meisten Legasthenie-Erlasse enthalten nur wenige oder keine bindende Vorschriften. Vielmehr erlauben sie Lehrern und Schulen bei betroffenen Kindern zusätzliche Maßnahmen, die nach dem Ermessen und den Möglichkeiten der Lehrer und der Schulen umgesetzt werden sollen bzw. dürfen. Daher sollten Sie die Legasthenie-Erlasse nicht als ein Recht ansehen, das Sie als Eltern einfordern können, sondern als Freiraum, den Schulen beziehungsweise Lehrer in begründeten Ausnahmefällen nutzen dürfen.

Beispiele: Oft gibt es die Möglichkeit, bei nachgewiesener Legasthenie bei bestimmten schulischen Aufgaben, die mit Lesen und/oder Rechtschreiben zu tun haben, Zeitzuschläge zu bekommen. Tests können mündlich statt schriftlich abgelegt werden oder die mündliche Leistung kann stärker in die Benotung eingehen. Der Erlass kann vorschreiben oder ermöglichen, dass sogar im Fach Deutsch und in Fremdsprachen die Rechtschreibeleistung nicht oder als getrennte Note bewertet werden soll.

Sonderfall:Teilweise (z.B. in Bayern) sind auch sehr spezifische Regeln enthalten, z.B. dass eine Legasthenie-Diagnose nur von bestimmten Berufsgruppen durchgeführt werden darf und dass die Betroffenen in Abhängigkeit von der genauen Diagnose in zwei Gruppen eingeteilt werden, von der den einen geholfen wird, den anderen nicht. Es gibt jedoch verständnisvolle Lehrer, die in jedem Einzelfall die pädagogisch sinnvollste Entscheidung treffen, unabhängig vom Erlass, auch wenn die Diagnose anderswo erstellt wurde.

Achtung, Zeugnishinweis: teilweise wird bei Inanspruchnahme von Sonderregeln im Abschlusszeugnis ein Hinweis stehen, dass die Rechtschreibung wegen Legasthenie unberücksichtigt geblieben ist. Dies kann später bei Vorlage solch eines Zeugnisses einen schlechten Eindruck machen. Daher verzichten teilweise Eltern auf Sonderrechte, um diesen Eintrag zu vermeiden. Sie sollten vorab klären, ob und unter welchen Umständen das Abschlusszeugnis einen Hinweis enthalten wird und wie genau dieser aussieht.

Generell gilt: Wichtiger als der Erlass sind verständnisvolle Lehrer!

Die Regelungen Ihres Bundeslandes finden Sie z.B. in dieser Liste der Legasthenie-Erlasse.

Autor: BlickLabor der wissenschaftliche Blick hinter LRS, Legasthenie und andere Lernprobleme
(www.BlickLabor.de)